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Was macht eine Casterin?

Marion Haack, Casting für die Pfefferkörner, 5. Generation, August 2011 © NDR Fotograf: Christian Spielmann
große Bildversion anzeigen Marion Haack ist von Beruf Casterin. Das heißt, sie wählt für einen Film passende Darsteller aus.

Marion Haack ist zuständig für die Auswahl der Schauspieler bei den Pfefferkörnern. Außerdem hat sie für andere bekannte Kinderserien wie "4 gegen Z", "Krimi.de" oder "Emmas Chatroom" die Darsteller ausgesucht.

Sie arbeitet aber nicht nur für Kinder- und Jugendfilme, auch bei Fernseh- und Kinofilmen für Erwachsene, wie zum Beispiel "Tatort", ist sie für die Besetzung der Rollen zuständig.

Marion Haack hat nach ihrem Studium ein Praktikum in der Castingabteilung von Studio Hamburg gemacht und gleichzeitig an Seminaren zur Regieassistenz und Dramaturgie teilgenommen.

Nach dem Praktikum bekam sie schnell eine Assistenzstelle und wurde später dann sogar Casting-Direktor. Nach fünf Jahren bei Studio Hamburg gründete Marion Haack 2008 ihr eigenes Casting-Büro.

Wir haben Marion Haack gebeten, euch etwas über ihre Arbeit zu erzählen.

Frau Haack, was ist für Ihre Arbeit anders als bei Filmen für Erwachsene, wenn Sie Kinder für eine Produktion aussuchen?

Nun, Kinder verfügen eher selten über eine Art Schauspielausbildung, das heißt, ich muss das Talent in einem Casting erst herausfinden. Dabei lasse ich sie eine Szene vor laufender Kamera spielen. Meistens merkt man sehr schnell, ob der Text nur wie ein Gedicht aufgesagt wird, oder ob das Kind mit seinen Emotionen innerlich dabei ist und dadurch das, was es sagt und spielt, echt und glaubhaft wird.

Es ist viel Phantasie bei den Kindern gefragt. Sie überzeugen zumeist durch ihr absolut intuitives Handeln in den Spielszenen. Beim Besetzen von Kindern bin ich deshalb wie ein Spürhund auf Entdeckungsreise. Das ist unglaublich spannend.

Erwachsene professionelle Schauspieler verfügen zumeist über ein großes Repertoire an bereits gespielten Rollen, das man sich anschaut und dann überlegt, welche Färbung die zu besetzende Rolle mit Schauspieler A, B oder C bekäme. Oftmals überprüft man die Besetzungsideen auch noch in einem Casting.

Schauspielerisches Können, Typus, das richtige Alter, zeitliche Verfügbarkeit und angemessene Gagen müssen in Einklang gebracht werden. Im Besetzungsprozess gebe ich zusammen mit der Regie, dem Produzenten und der Redaktion den Figuren Gesichter und präge dadurch die Geschichte. Auch das ist eine enorme Herausforderung. Am Ende muss es ein in sich stimmiges Ensemble sein, egal ob Kinder oder erwachsene Schauspieler zu besetzen sind. Das ist wie ein Puzzle, das man mit großer Sorgfalt zusammensetzt.

Marin Haack beim Casting für die Pfefferkörner, 5. Generation, August 2011 © NDR Fotograf: Christian SpielmannMarion Haack, Casting für die Pfefferkörner, 5. Generation, August 2011 © NDR Fotograf: Christian SpielmannMarion Haack, Casting für die Pfefferkörner, 5. Generation, August 2011 © NDR Fotograf: Christian SpielmannMarion Haack, Casting für die Pfefferkörner, 5. Generation, August 2011 © NDR Fotograf: Christian SpielmannMarion Haack, Casting für die Pfefferkörner, 5. Generation, August 2011 © NDR Fotograf: Christian Spielmann

Was macht Ihnen mehr Spaß, die Arbeit mit Erwachsenen oder mit Kindern?

Das kann ich so nicht sagen. Es sind zwei unterschiedliche Herangehensweisen. Kinder sind "Laien", die an die Schauspielerei noch herangeführt werden müssen.

Kommt es vor, dass schon beim ersten Vorsprechen ein Kind Sie so überzeugt, dass Sie wissen, das ist die perfekte Besetzung für die Rolle?

Ja, das kommt sogar sehr oft vor, aber am Ende muss das Kind auch ins Ensemble passen. Manchmal sprechen dann Voraussetzungen wie Alter, Größe oder Haarfarbe doch gegen eine Besetzung, wenn es einen Kandidaten gibt, der diese bei ähnlichem Talent besser erfüllt. Diese Absage zu überbringen ist dann auch für mich sehr bitter. Aber dann gibt es bestimmt irgendwann eine andere passende Rolle!

Ist schon mal ein Kind, das Sie ausgewählt haben, später richtig berühmt geworden?

Nein, richtig berühmt noch nicht, schließlich übe ich den Beruf erst seit acht Jahren aus. Es gibt aber Kandidaten, deren Karriere gerade steil nach oben geht. Wie ganz aktuell bei Jonas Nay, der für seine Rolle in "Homevideo" den Förderpreis beim Deutschen Fernsehpreis 2011 erhalten hat. Darüber freue ich mich sehr, denn ich habe ihn vor sieben Jahren in Lübeck entdeckt, als wir ihn für eine Hauptrolle bei der NDR Kinderserie "4 gegen Z" besetzt haben. Die meisten Kinderdarsteller erlernen aber nach Beendigung der Schule doch lieber einen anderen Beruf.

Manchmal sind vielleicht auch die Eltern mehr daran interessiert als ihre Kinder, dass sie Schauspieler werden. Wie reagieren Sie dann?

Nun, ich probiere es mit den Kindern aus. Eltern haben oftmals eine völlig falsche Vorstellung von der Schauspielkunst und glauben, dass ihr Kind schon geeignet sei, weil es einen Text aufsagen kann. Das reicht natürlich nicht. Kinder kann man nicht dazu zwingen, sich zu öffnen und Gefühle zu zeigen. Wenn sie keine Lust haben, werden sie über das reine Textaufsagen nicht hinauskommen und dadurch wohl eher keine Rolle erhalten. Dieses Thema erledigt sich meistens von selbst!

Es bewerben sich bei Ihnen, wenn für die Pfefferkörner zu einem Casting aufgerufen wird, so viele Kinder, dass viele von Ihnen eine Absage bekommen müssen. Klar, dass die Enttäuschung bei denen groß ist. Was sagen Sie ihnen dann?

Prinzipiell habe ich vor jedem Kind einen unglaublichen Respekt, das über das Selbstbewusstsein verfügt, zum Casting zu kommen und vor einer ihm fremden Person in eine andere Figur zu schlüpfen und sich dabei auch noch filmen zu lassen. Hut ab! Es gibt für mich deshalb keine schlechten Kinder und das versuche ich auch in meinen Absagen zu vermitteln.

Der gewonnene Eindruck während eines Castings ist ja auch immer im Zusammenhang mit einer bestimmten Rolle zu sehen. Vielleicht gibt es kurze Zeit später ein anderes Rollenprofil, auf das sie besser passen und sie schneiden dann beim Casting plötzlich hervorragend ab. Kinder entwickeln sich und sie sollen alle Zeit der Welt dafür haben. Deshalb kann ich nie ein absolutes Urteil fällen - das kann kurze Zeit später schon wieder hinfällig sein.

Bilderstrecke

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