Der Traum vom Reiten
Fast jedes junge Mädchen träumt irgendwann einmal davon, selbst ein Pferd zu besitzen. Bevor du aber ernsthaft überlegst, ob du solch eine große Verantwortung wirklich übernehmen willst und ob ein Pferd das Richtige für dich ist, solltest du dies im Reitunterricht testen. Wie aber lernt man überhaupt richtig gut reiten? Und was unterscheidet eigentlich Western- von Spring- und Dressurreiten?
Voltigieren - Turnen auf dem Pferd
Wenn du noch nie auf einem Pferd gesessen hast, bietet Voltigieren einen guten Einstieg. In allen drei Gangarten – Schritt, Trab und Galopp – lernst du dabei, auf dem Rücken des Pferdes dein Gleichgewicht zu halten. Dazu lernst du verschiedene Turnübungen, zum Beispiel die "Flanke". Du schwingst dich dabei auf dem Pferderücken fast bis in den Handstand und landest anschließend so weich wie möglich. Am Anfang ist es aber schon schwer genug, nur auf dem Pferd aufzustehen und dann auch stehenzubleiben! Das Voltigieren hat für Reitanfänger einen ganz großen Vorteil: Du musst das Pferd noch nicht selbstständig lenken, denn es läuft an der Longe. Das ist ein langes Seil, welches am einen Ende am Pferd befestigt ist und am anderen vom Reitlehrer gehalten wird. Diese Longe hält das Pferd auf dem Zirkel, einem großen Kreis, auf dem es immer wieder um den Reitlehrer herumläuft. Das ist auch gut so, denn mit den Turnübungen wirst du ausreichend beschäftigt sein! Wenn du sehr ehrgeizig bist und dich gerne mit anderen misst, hast du auch die Möglichkeit, an Voltigierturnieren teilzunehmen. Bei diesen Wettkämpfen zeigst du in verschiedenen, nach Schwierigkeit eingeteilten Klassen, welche Übungen du schon beherrscht. Dabei kannst du allein oder auch in der Gruppe antreten, denn ein Voltigierpferd ist stark: Bis zu drei Reiter kann es gleichzeitig auf seinem Rücken tragen!
Dressur - Feine "Hilfen" lenken das Pferd
Wenn du dich beim Voltigieren schon sicher auf dem Pferd fühlst, wird es auch leicht für dich sein, dich im Sattel zu halten und richtig reiten zu lernen. Dann kann es mit dem Dressurunterricht weitergehen. Auch wenn sich Dressur erst einmal nach schwierigen Übungen anhört, ist es einfach nur die Grundausbildung, die jeder Reiter und jedes Pferd durchlaufen müssen. Du lernst hier, die Hilfen - also Signale, die dem Pferd sagen, wo es lang geht - richtig einzusetzen. Es gibt drei verschiedene Hilfen in der sogenannten englischen Reitweise: Die Schenkelhilfe, dafür benutzt du dein Bein und drückst es gegen den Pferdebauch. Außerdem gibt es die Gewichtshilfe, für die du dein Gewicht durch leichtes Hinüberlehnen auf die eine oder andere Seite verlagerst. Zuletzt setzt man die Zügelhilfe ein, dazu zupfst du vorsichtig am Zügel, der das Pferdemaul mit deiner Hand verbindet, auf jeweils der Seite, zu der man das Pferd lenken möchte.
Je feiner und gezielter man diese Hilfen gibt, desto besser ist es. Auch das Pferd muss erst einmal lernen, auf diese kleinen Hilfen zu reagieren und sich auf seinen Reiter einzustellen. Aber die Mühe lohnt sich: Bei den Profis sieht man kaum noch, dass sie überhaupt Hilfen geben und das Pferd macht trotzdem genau das, was sie wollen: Zum Beispiel eine Galopppirouette. Dabei dreht es sich im Rhythmus des Galopps, der schnellsten Gangart, auf seinen Hinterbeinen. Solche schwierigen Dressuraufgaben zählt man zur sogenannten "Hohen Schule". Bis du diese Aufgaben beherrscht, heißt es aber: Üben, üben, üben. Die Arbeit an den berühmten Hofreitschulen, in denen die besten Dressurpferde dieser Welt ausgebildet werden, bleibt übrigens traditionell Männern vorbehalten.
Springen - Eine echte Mutprobe für Pferd und Reiter
Wenn du ganz hoch hinaus möchtest, ist der Springsport genau das Richtige für dich. Sehr gute Springpferde schaffen es nämlich, mal eben einen zwei Meter hohen Sprung zu überwinden, das ist so hoch wie deine Zimmertür! Wer im Springen gut sein will, muss bereits die Grundausbildung durchlaufen haben und zusätzlich eine Portion Mut mitbringen. Du musst das Pferd sicher durch einen Parcours, eine Abfolge von Hindernissen, lenken können und ihm genau zu verstehen geben, wann es abspringen muss, um gut über den Sprung zu kommen. Dabei darfst du selbst keine Angst haben, dass ihr es nicht über das Hindernis schaffen könntet, denn das spürt das Pferd sofort - und verweigert im schlimmsten Fall den Sprung. Bei einem Turnier kann das sogar zur Disqualifikation führen, also zur Ausscheidung.
Doch bis du bei einem solchen Turnier startest, bedarf es erst einmal einiger Vorübung. Denn beim Springen reitest du zum Beispiel im leichten Sitz, das heißt, du stehst leicht nach vorne gebeugt in deinen Steigbügeln, die etwas kürzer als normalerweise eingestellt sind. Direkt über dem Sprung drückst du dich aus den Bügeln ab und streckst auch deine Hände weiter nach vorne, sonst würdest du das Pferd in seiner Bewegung behindern. Diese Technik hört sich vielleicht einfach an, will aber geübt sein und Muskelkater macht sie allemal. Für das Pferd selbst ist der Springsport am Anfang nicht nur anstrengend, sondern oft auch eine Mutprobe, weil es nicht nur normale Hindernisse aus Holz, sondern manchmal auch einen Wassergraben oder sogar einen steilen Abhang überwinden muss.
Westernreiten - Wie im wilden Westen
Wenn du davon träumst, wie ein Cowboy auf deinem Pferd Rodeos zu reiten, musst du dich an die Westernreiter wenden. Dort wirst du allerdings sehr schnell feststellen, dass die Westernreitweise eher wenig mit Rodeos zu tun hat – auch wenn sie ursprünglich aus Nordamerika stammt, dem Land der Cowboys. Vielmehr zielt sie darauf ab, sein Pferd in entspannter Haltung mit möglichst geringen Hilfen zu lenken. Die Westernpferde sollen dabei noch stärker als die nach der englischen Reitweise ausgebildeten Pferde auf Schenkel- und Gewichtshilfen reagieren, der Reiter wirkt dafür nicht so stark mit den Zügeln aufs Pferdemaul ein. Besonders ist auch die Ausrüstung: Es gibt spezielle Westernsättel, sie haben ein sogenanntes Sattelhorn und sind insgesamt sehr gemütlich gebaut, damit man auch mehrere Stunden in ihnen aushält, ohne Rückenschmerzen davonzutragen. Außerdem hält man beim Westernreiten zwei unverbundene Zügel in einer Hand, während bei der englischen Reitweise die Zügel verbunden sind und von beiden Händen gehalten werden.
Bei Westernturnieren werden oft spektakuläre Aufgaben vorgeführt; zum Beispiel das "Cutting" (deutsch: "schneiden"). Hierbei muss der Reiter ein Rind aus einer ganzen Rinderherde aussondern, sozusagen "herausschneiden". Anschließend muss das Pferd das Rind selbst von seiner Herde getrennt halten, ohne, dass der Reiter weitere Hilfen gibt. Das Pferd muss hierzu sehr wendig sein und ein schnelles Reaktionsvermögen besitzen. Wenn du also Spaß hast an rasanten Sportarten, die viel Konzentration und Teamarbeit erfordern - dann bist du beim Westernreiten richtig.
Bestimmt hast du inzwischen gemerkt, worauf es beim Reiten ankommt: Ein gutes Gleichgewicht und die Fähigkeit, mit einem Partner, dem Pferd nämlich, zusammenzuarbeiten. Alles was du dann noch brauchst, ist ganz viel Übung. Wenn du übrigens keine Lust hast, auf Turniere zu gehen, gibt es noch die Möglichkeiten des Freizeitreitens. Passen tun dazu alle Reitarten, egal ob Dressur, Springen oder Western. Der einzige Unterschied zu den Sportreitern besteht meist darin, dass die Freizeitreiter, wenn überhaupt, nur auf kleine Turniere fahren und das auch nicht jedes Wochenende. Aber egal, ob du inzwischen entschieden hast, Bereiter an der spanischen Hofreitschule zu werden oder schon den ersten Ausritt durch den Wald planst: Das Glück der Erde liegt allemal auf dem Rücken der Pferde.

