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"Ich will unbedingt mal böse sein!" Interview mit Lotte Flack

Pfefferkornfans kennen sie von ihrer Hauptrolle als klauendes Mädchen Anna in der Folge "Falsche Freunde". Jetzt spielt sie sogar eine Hauptrolle in dem Film "die Päpstin".

Die Hamburgerin Lotte Flack erzählt im Gespräch mit Pfefferkörner Online vom spannenden Dreh in ihrer Rolle als junge Johanna, wie sie zum Schauspiel kam und in welches historische Kostüm sie als nächstes schlüpft.

Lotte Flack in eigenen Worten

Die Jungdarstellerin Lotte Flack in einem Hamburger Caféhaus. © NDR Fotograf: Nils Zurawski
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Ich habe zwei kleine Brüder, vier und zehn Jahre alt. Meine Mutter kommt aus London, also bin ich halbe Britin, aber geboren bin ich am 14. Januar 1994 in Hamburg und wohne seit fast elf Jahren in St.-Pauli . Ich bin zwar kein Fußballfan, finde St. Pauli auf jeden Fall besser als den HSV, denn Paulifans sind cooler.

Mein Lieblings-Tatort kommt aus Münster (wegen Jan-Josef Liefers) und ich gucke gerne "Dr. House" und die US-Serie "Six Feet Under" auf DVD .

Wie bist du zu Sönke Wortmanns Film "Die Päpstin" gekommen?

Lotte Flack: Über meine Castingagentur. Es war aber ein kein gewöhnliches Casting. Ich war gerade beim Drehen eines anderen Filmes in Hamburg und wurde für den Recall, so etwas wie die 2. Runde, geholt. Sie schickten mir einen Fahrer ans Set, der mich nach Eisleben bringen sollte. Dann standen wir mit dem Fahrer zwei Stunden im Stau, also haben die von der Filmproduktion und ich uns in der Mitte auf der Autobahn getroffen.

Die Crew hat von mir und der jüngeren Johanna ein paar Fotos gemacht und geguckt, wer der Päpstin-Darstellerin Johanna Wokalek am ähnlichsten sieht. Gleich am nächsten Tag haben sie angerufen und gesagt, dass ich die Rolle habe. Da habe ich gedacht: whow!

Der wievielte Dreh war die "Päpstin" für dich?

Lotte Flack: Ich müsste nachzählen … Ich mache das, seitdem ich elf bin und bin jetzt fünfzehneinhalb. Mein Durchschnitt ist zwei Projekte im Jahr.

Drehst du eigentlich nur in den Schulferien drehen, wie auch bei den Pfefferkörnern?

Lotte Flack: Für die "Päpstin" habe ich sogar drei Wochen in der Schulzeit gedreht. Ich habe mich vorher bei der Lehrern erkundigt, welchen Stoff ich nachholen muss und hatte nach dem Dreh das Glück, dass es drei Wochen Ferien gab. Dadurch konnte ich alles nachholen und mich mit den Leuten aus meiner Klasse austauschen. Es ging super, es gab absolut keine Veränderung in meinen Noten.

Wie muss man sich das vorstellten: Du sitzt also am Set , lernst deine Texte und Iain Glenn oder Sönke Wortmann helfen dir in den Drehpausen bei den Schulaufgaben?

Die drei Hauptdarstellerinnen Lotte Flack (von links), Tigerlily Hutchinsen und Johanna Wokalek aus Sönke Wortmanns Historienepos "Die Päpstin" mit dem Papst-Darsteller John Goodmann bei der "Päpstin"-Weltpremiere in Berlin. © picture alliance/Eventpress Herrmann Fotograf: Eventpress Herrmann
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Lotte Flack: Nein. Meine Dialogzeilen muss ich nie noch einmal lernen. Ich habe Glück gehabt, ich brauche nur ganz kurz, um einen Text rein zu kriegen. Wenn ich ihn drin habe, ist er drin.Wenn ich den Film im Kino gucke, kann ich teilweise noch den Text mitsprechen.

Holst du denn in den Drehpausen deinen Schulstoff nach?.

Lotte Flack: (lacht) Viele sagen, hey, hast du Glück gehabt. Immer, wenn ich zwischen drin Pause hatte, dann konnte ich in den Schulstoff reingucken. Meistens habe ich es aber nach dem Drehen, nachmittags, oder abends im Hotel, gemacht. Das ist auch ruhiger und entspannter, als am Set.

Du spielst in ein paar Szenen zusammen mit David Wenham, bekannt aus dem "Herrn der Ringe" oder "Australia". In der "Päpstin" spielt er einen guten Grafen, dabei hat er früher viel bösere Rollen gespielt. Würde dir das auch Spaß machen?

Lotte Flack: Auf jeden Fall! Seit ich angefangen habe, zu spielen, wollte ich schon immer böse sein. Als ich noch kleiner, also elf, zwölf war, habe ich immer die Rollen als ein kleines süßes Mädchen gespielt. Jetzt kriege ich so langsam die Teenager-Rollen, die nicht so ganz lieb und nett sind, etwa in meinem letzten Projekt "Datten mit Kraut". Das macht schon Spaß.

In der 6. Staffel hast du bei den Pfefferkörner mitgespielt, in der Folge "Falsche Freunde" klaust du da sogar. Das ist doch schon nicht lieb …

Folge 73: Falsche Freunde: Anna, Karols Erzfeindin aus Kindertagen © NDR
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Lotte Flack: Das hat meine Figur Anna nicht freiwillig gemacht, im Geiste ist sie ja gut. Jede gute Rolle ist auch toll und es macht immer wieder Spaß zu drehen. Aber böse sein ist etwas, was ich mir immer wünsche.

Hast du Vorbilder in der Filmwelt?

Lotte Flack: Vorbilder nicht, aber ich finde ein paar Leute ganz cool. Ich mag Tim Burton, Helena Bonham Carter und Meryl Streep.

Wie bist du überhaupt zum Schauspielern gekommen?

Lotte Flack: Das hat mit der Schule zu tun. Alle meine Freunde hatten Klavier- oder Geigenunterricht, das war nie was für mich. Da hat ein Freund meiner Mutter vorgeschlagen: "Schick sie doch zum Schauspielunterricht, ich kenne jemanden an der Schauspielschule."

Dann habe ich mir das angeguckt und fand das echt cool. Mit dieser Schule ist eine Agentur verbunden, die hat mich gecastet und dann genommen. Ich war fünf Jahre an der Schauspielschule und vier Jahre bei der Agentur.

Wo können wir dich, abgesehen von der "Päpstin", im Kino oder Fernsehen sehen?

Lotte Flack: Ich habe in der Weihnachtsreihe der ARD gespielt, die heißt dieses Jahr "Acht auf einen Streich", mit acht Märchen der Gebrüder Grimm. Ich spiele in Dornröschen die Titelrolle. Es sind teilweise Änderungen im Märchen, die das Ganze modern machen.

Zum Beispiel gibt es einen Vater-Tochter-Konflikt, weil der Vater Dornröschen das Spindeln, und überhaupt alle Spindeln im Land verbietet, wodurch viele Leute ihre Arbeit verlieren und wegziehen müssen. Dornröschen möchte wissen, warum er das macht, aber er möchte ihr nicht von dem Fluch erzählen.

Deine Rolle in die "Päpstin" ist ja noch viel größer. Macht es dir etwas aus, wenn du so bald nicht wieder in so einer Riesenproduktion eine große Rolle bekommst?

Die Schauspieler Anna Maria Mühe, Roman Knikzka, Lotte Flack (unten, sitzend), Luisa Wietzorek, Julie Engelbrecht, Harmut Lange, Laura Berlin und Susanne Bormann spielen für das ARD-Weihnachtsprogramm 2009, "Acht auf einen Streich" in der ARD-Märchenreihe mit. © picture-alliance Fotograf: Angelika Warmuth
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Lotte Flack: Große Produktionen finde ich super, weil es viel entspannter zugeht, man hat immer mehr Zeit, alles zu drehen, als in Filmen mit kleinem Budget. An sich ist mir das nicht so wichtig, wie groß das Projekt ist. Es ist wichtig, wie interessant die Rolle ist. Aber dieses Jahr drehe ich nichts mehr, weil ich erst einmal weiter zur Schule muss. Schule hat für mich Priorität, denn ich möchte auf jeden Fall mein Abitur machen.

Kein Filmprojekt könnte dagegen wichtig genug sein, es sei denn, eine Rolle neben Johnny Depp (lacht). Die Lehrer freuen sich natürlich, wie gut ich es bislang geschafft habe, Schule und Schauspiel unter einen Hut zu kriegen und würden es wahrscheinlich auch in Zukunft unterstützen.

Es gibt eine furchtbare Szene, in der du als Johanna von deinem strengen Pastorenvater, gespielt von Iain Glen, mit einer Gerte verprügelt wirst. Die Szene geht einem sehr nahe. Wie dreht man so etwas und wie wirkt diese Szene danach auf dich?

Lotte Flack: Ich habe den Film dreimal gesehen, auf der Teampremiere, auf der Weltpremiere und einmal mit meinen besten Freunden, die den unbedingt mit mir sehen wollten. Ich wollte bei der Szene am liebsten jedes Mal aus dem Kino rennen. Wir hatten die Sequenz vorher im Detail geprobt. Ich trug einen Silikonrücken, auf den Iain Glen wirklich draufpeitscht.

Ich fühlte dann zwar den Druck, aber es tat nicht weh. Nur ist die Gerte einmal an meiner Seite aufgeschlagen, wo kein Silikon war, nur ein paar Lagen Stoff. Das hat etwas weh getan, war aber halb so schlimm. Es war auch die letzte Szene, die ich für den Film gedreht habe.

Der Film ist im 9. Jahrhundert angesiedelt. Wäre das ein Zeitalter, in dem du gerne gelebt hättest?

Lotte Flack: Absolut nicht! Es ist dreckig und kalt. Alleine diese schreckliche Hütte, in der meine Figur Johanna von Ingelheim gelebt hat. Ich bin sehr froh, heute zu leben und finde es toll, dass ich im Gegensatz zu Johanna in die Schule gehen und auch schlau sein darf, wenn ich will.

Willst du nach der Schule weiter als Schauspielerin arbeiten?

Folge 73: Falsche Freunde: Eine Mädchengang bedroht Anna © NDR
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Lotte Flack: Ich will es nicht als Beruf machen. Ich werde vielleicht irgendwann aufhören zu spielen, weil ich eigentlich andere Berufe am Set viel interessanter finde, die ich jetzt noch nicht machen darf, weil ich zu jung bin. Kamera finde ich total interessant und Regie ist gar nicht schlecht. Beim Film möchte ich auf jeden Fall bleiben.

Welche Eigenschaften braucht man als (junge) Schauspielerin? Du hast für die "Päpstin" sogar auf Englisch gedreht.

Lotte Flack: (überlegt) Hm, das ist schwer. Bei mir ist es so: Wenn ich am Set bin, vergesse ich Schule und alles andere komplett. Und wenn ich an der Schule bin, vergesse ich das Set. Ich kann gut das jeweilig andere ausschalten und mich auf eine Aufgabe konzentrieren. Und das Englische liegt mir: Meine Mutter kommt aus London.

Guckst du eigentlich noch die Pfefferkörner?

Lotte Flack: Ehrlich gesagt weiß ich nicht immer genau, wann die gesendet werden. Und manchmal schlafe ich auch zu lange, aber ich bin ein Teenager, ich darf das. (lacht)

Autorin/Autor: Patricia Batlle

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