"Jetzt bin ich auch ein Pfefferkorn-Papi"
Matthias Klimsa wurde 1971 in Osnabrück in Niedersachsen geboren, zog aber schon im Alter von drei Monaten nach Schleswig. Sein Abitur hat er in Singapur gemacht. In London ging er auf die Schauspielschule bevor er wieder nach Hamburg zurück zog. Er ist ein Weltenbummler, aber hier fühlt er sich Zuhause. An Hamburg mag er das Wetter, die Elbe und die Mentalität. Genauso gern ist er in London, weil auch dort gute Freunde und Familie leben.
Im Interview mit uns erzählt er von den neuesten Dreharbeiten der Pfefferkörner, warum das Drehen mit Kindern toll ist und was er selbst früher gerne im Fernsehen gesehen hat. Überraschenderweise besitzt Matthias Klimsa heute gar kein Fernsehgerät.
Er spielte in "Berlin, Berlin", er war häufiger zu Gast beim "Tatort" und ist bei den "Pfefferkörnern" kein Neuling. Nun spielt Matthias Klimsa in der Folge "Produktpiraten" einen Vater, der in einen Kriminalfall verwickelt ist.
Pfefferkörner Online: Wie kam es dazu, dass du bei den "Pfefferkörnern" mitspielst?"
Matthias Klimsa: Ich habe schon einmal bei den Pfefferkörnern mitgespielt, da war ich ein Fahrraddieb. Seitdem kenne ich viele vom Fernsehteam: den Redakteur, den Produzenten, die Autorin, beide Regisseure seit Jahren. In der Folge "Produktpiraten" spiele ich den Papa eine sehr süßen Tochter und sitze einem Produktpiraten auf. Ich bin dort ein Bösewicht wider Willen, weil ich gar nichts dafür kann.
Bist du persönlich schon einmal Produktpiraten aufgesessen?
Matthias Klimsa: Soweit ich weiß, bin ich noch nie betrogen worden, was das angeht. Ich habe mir schon ein gefälschtes T-Shirt in Bangkok gekauft. Aber das wusste ich, sonst hätte es auch mehr gekostet.
Im Sommer findet ein Generationswechsel bei den Pfefferkörner statt. Bist du bei der neuen Staffel auch dabei?
Matthias Klimsa: Ja, jetzt bin ich ein richtiger Pfefferkorn-Papi und für eine Doppelstaffel dabei. Wir haben auch schon gedreht. Ich spiele den allein erziehender Vater von einer ebenfalls sehr süßen Tochter und arbeite als Pastor der Flussschifferkirche (die einzige schwimmende Kirche Deutschlands, Anm. d. Red.), die im Hafen am Anfang der Speicherstadt liegt, wo die ganzen Barkassen liegen. Das Schiff ist ein spezielles Motiv: Ein Boot, in dem unten drin eine Kirche ist - mit einem Altar, Kerzen und eine kleinen Orgel an Bord. Die finde ich super.
Obwohl noch zwei Folgen mit den "alten" Pfefferkoernern gedreht werden, mussten wir meine Folge vorziehen, weil die Flussschifferkirche ab Mai auf große Fahrt geht. Sie fährt nämlich zum Kirchentag, der Anfang Juni im Bremen stattfindet.
Du warst schon beim "Tatort", in "Plötzlich Papa" und bist auch aus "Berlin, Berlin" bekannt. Bei den Pfefferkörnern drehst du aber hauptsächlich mit Kindern. Was ist besonders daran?
Matthias Klimsa: Die sind im Zweifel besser als du. Da kannst du nicht gegen anspielen, weil die vor der Kamera ganz natürlich sind. Weil es da rausblubbert, wie es da eben rauskommt. Es ist viel unmittelbarer. Man kann nicht Dienst nach Vorschrift machen und auf sein Stichwort warten, sondern man muss dabeisein und versuchen, das Ruder zumzureißen. Meist reißen aber die das Ruder rum - die sind echt gut die Kids.
Also ist das auch eine große Herausforderung?
Matthias Klimsa: Auf jeden Fall! Bei den Pfefferkörnern geben sich die Produzenten extrem viel Mühe mit dem Casting. Es sind wirklich immer tolle Kinder - und es sind ja fünf Kinder, nicht nur eines! Das ist glaube ich auch das Geheimrezept der Serie, dass sie sich soviel Mühe mit dem Casting geben.
Was hast du gerne in dem Alter gesehen, in dem Kinder die Pfefferkörner gucken?
Matthias Klimsa: Ich habe die Piratengeschichten mit Jack Holborn geguckt, natürlich Biene Maja. An Detektivgeschichten die "Drei Fragezeichen" - die habe ich immer gehört. Ich fange gerade an, die Geschichten mit meinem Kind zu hören. Dann hole ich meine alten Kassetten raus und frage: Willst du das mal hören? Eigentlich drehe ich ihm das so ein bisschen an, denn ich finde die immer noch spannend.
Darf dein Sohn die Pfefferkörner gucken?
Matthias Klimsa: Ich habe gar keinen Fernseher. Es ist nämlich das unspannenste Möbelstück, das die Menschheit je erfunden hat, wo alle schon draufglotzen auch wenn er nicht an ist. Die Pfefferkörner dürfte er auf jeden Fall gucken, aber das ist schon ganz schön aufregend. Er ist erst drei Jahre alt und kriegt ja schon bei den ersten fünf Minuten aus "Urmel aus dem Eis" kalte Füße.
Rapper und Schauspieler sind nach wie vor Berufe, die die Kids reizen. Für diese Jobs muss man viele Texte auswendig lernen. Wie lernst du soviel Text für die vielen Rollen.
Matthias Klimsa: Das ist eine Übungssache. Je öfter man das macht, desto leichter fällt einem das auch. Ich behaupte inzwischen, dass ich gar keinen Text mehr lernen kann, weil ich so eine Art antrainiertes Kurzzeitgedächtnis habe. Wenn ich mir das kurz vorher angucke und ein paarmal laut vorsage, kann ich das schon.
Es gibt natürlich Sachen, die muss man wirklich auswendig lernen: Aufzählungen, wissenschaftliche Texte, wenn man einen Doktor spielt. Wenn es um Unterhaltungen geht, spricht man so, wie es rauskommt. Das ist eine Routinesache und die kleinste Arbeit.
... und die größte Arbeit ist welche?
Matthias Klimsa: Du musst deiner Rolle ein ganzes Leben verpassen. Du spielst ja eine Figur, der du im Gesamtwerk gerecht werden musst.
Du synchronisierst seit Jahren für Film und Fernsehen Was bringt dir am meisten Spaß?
Matthias Klimsa: Filme. Da hat man die Möglichkeit, einer Figur von Anfang bis zum Ende zu folgen. Manchmal sind die Hauptrollen aber gar nicht so toll. Manchmal sind die Nebenrollen viel toller. In 90 Prozent der Fälle ist es die interessantere und aufregenderen Rolle, weil die viel mehr polarisiert. Die Nebendarsteller sind die, die dem Ganzen Schwung geben. Das gilt für das Synchronisieren wie für das Spielen.
War schon etwas so Großes wie zum Beispiel "Findet Nemo" dabei?
Matthias Klimsa: Ich habe schon viel Zeichentrick gemacht, aber so etwas Großes war noch nicht dabei. Eine superlustige Arbeit, die ich gemacht habe, war auch die Schwierigste: die Sesamstraße. Handpuppen zu synchronisieren ist Hammer schwer. Beim Zeichentrick- und Puppenfilm gibt es so extreme Charaktere. Die Arbeit ist dann wie ein Kindergeburtstag für mich. Danach wieder in den Alltag zurück zu kommen, ist schwer.
Und noch einmal zum Fernseher, den du gar nicht besitzt. Warum nicht?
Matthias Klimsa: Das Fernsehen gibt es sowieso in zehn Jahren nicht mehr so, wie es das heute gibt. Weil das Internet auf dem Vormarsch ist, und da wahnsinnig viel passiert. Ich finde es falsch, zu versuchen, die Kids davon fernzuhalten und das in irgendeiner Form zu zensieren. Das ist ein Armutszeugnis, weil das aussagt, dass wir unseren Kindern gar nicht vertrauen, dass sie selber beurteilen können, was richtig oder falsch ist.
Deswegen bin ich ein Verfechter dafür, unseren Kindern das Internet beizubringen, damit sie Dinge hinterfragen, und den Informationsfluss hinterfagen, die Inhalte, den Entstehungsprozess dieser Inhalte. Also, eher aufklärerisch zur Sache zu gehen, als etwas zu verbieten, oder zu zensieren. Das ist immer die alte Geschicte mit den Beschützern. Toll, dass es die gibt, aber wer beschützt uns vor den Beschützern?





